Felsenegg's history - from birth and youth
Von Hans Huber, Hinterbuchenegg, Stallikon ZH
Es war wohl an einem Donnerstag-Mittag im Frühjahr 1882, als ich von Hedingen aus der Sek.-Schule kam, da lag auf dem Holzplatze vor der Scheune unseres Nachbars, Vetter Hans Jokeb auf 2 Zimmerböcken ein etwa 3m langer Pfahl, am oberen Ende desselben übers Kreuz genagelt 2 Bretter, ca. 30cm breit und ca. 1m lang. Man war gerade im Begriff das Ganze weiss anzustreichen.
„Was ist au' das oder was mues das gäh?
Ja du Gäggsnas, we'mer dir das scho seit, verstasch ja glich nüd!
Aber bitti, so sägid m'rs doch emal!
Also wenn's partu wotscht wüsse: Das ist ein Triangulations-Signal und wird auf der „Nievergeltenegg“ aufgestellt.
Nievergelten Egg , dieser, an der gleichen dem Zürichsee in einem leichten Bogen verlaufenden Albiskette, bildet den am stärksten gegen das Sihltal vorgeschobenen Gratkopf. Gerade 300m über dem, in den achziger und neunziger Jahren stark im aufblühen begriffenen Textil-Industrie-Dorfe Adliswil .
Das Grundstück zu welchem obgenannte Egg gehört war bis anno 1766 Eigentum eines Hrch. Hans Jacob Nievergelt ob Buchenegk, Pfarrey Stalliken und ging laut Kaufbrief, dat.12 . Marty 1766 an Hans Jakob und Heinrich, den Huber Heinrichen ebendaselbst, über.
In der Erbnachfolge ward damit dann mein Vater Eigentümer dieser Nievergelten-Egk , die Ihrer vorgeschobenen Lage wegen eben dem Besucher ein wunderbares Panorama eröffnet. Und weil eben mein Vater schon ein Naturfreund, verweilte er so gerne an schönen Sonntagnachmittagen auf diesem ihm liebgewordenen Plätzchen.
Nun also hier wurde das Triangulations - Signal aufgestellt; das natürlich in seiner weissen Gestalt weitherum beachtet wurde und so auch in der Weltruf geniessenden Seidenweberei Adliswil.
Aber man war sich nicht klar darüber, was das dort oben auf dem Berggrate sein möge. Und der Herr Direktor H. Frick meinte, es werde so ein Landstreicher in einer blauen Blouse, wie sie anno dazumal bei Fuhrleuten hauptsächlich in Mode waren, mittels eines Strickes an einem Tannli ins bessere Jenseits hinübergepändelt sein.
Um aus dem Wunder zu kommen, schickte dann der Herr Direktor den nachmalichen Werkmeister , Heinrich Wepfer dort hinauf um die Ursache dieser ungewohnten Erscheinung zu erforschen.
Wie mag dann wohl die Überraschung Wepfers gewesen sein, als ihm jene Ursache offenbar wurde.
Wer ja schon auf diesem Punkte gestanden, wird wohl die Empfindungen Wepfers an sich selber ermessen können.
Jener Äusserte dann am Signal den Wunsch, man möchte doch hier ein Bänklein errichten, damit man nach mühsamer Kletterei, die Herrlichkeit hier oben, geruhsam sitzend, geniessen könne.
Am folgenden Sonntag ward auch bereits ein solches dort aufgepflanzt. Aber mit dem war es nun nicht getan; es mehrten sich die Wünsche.
Es zeigte sich nämlich, dass man Durst bekam, wenn man da heraufgeklettert war und darum wurde dem Signal anvertraut, man möchte doch den Bergsteiger bei seiner Ankunft mit einer Flasche kühlen Gerstensaftes begrüssen. Auch die Erfüllung dieses Wunsches liess nicht
allzulange auf sich warten. Die Zugänge zur Nievergelten-Egg waren aber dazumal noch etwas andere als die heutigen es sind.
Von der Hinter-Buchenegg , respektive von der Baldernstrasse her führte nur ein schmaler Schleichweg durch den Tannli-Fasel auf den Punkt hinaus, wie man so sagte. Und von Adliswil herauf ging's alles über einen Grat, vielfach ohne Wegspuren. Andere Zugänge gab es dazumal noch nicht.
Nun musste vor allem ein wenig geholzet und der Zugang von Buchenegg her verbessert werden. Dann wurde südlich dem Signal ein ebenes Plätzchen geschaffen, 2 Tische und
4 Bänke dazu auf Pfählen erstellt und um den allzu eindringlichen Liebkosungen der Sonne einwenig zu begegnen, mit einem weissen Tuche überspannt. Unterhalb davon im Gebüsch wurde ein Keller miniature gegraben.
Und jetzt ging mein Vater nach Zürich, vorerst auf die Finanzdirektion des Kantons, wo er gegen eine Abgabe von Fr. 10.- die schriftliche Bewilligung erhielt, über den Sommer Getränke auszuschenken und den hungrigen Gästen auch Käse oder Cervelats mit Brot zu verabfolgen. Jetzt wurde am nächsten Sonntag der kleine Keller mit Münchener Spatenbräu
ec. aufgefüllt. Wem nun die Leber brannte oder der Magen knurrte, der fand nun hier etwas zu ihrer Beschwichtigung.
Hiermit ward nun der Restaurationsbetrieb eröffnet auf der Felsenegg . Denn auf diesen Namen wurde nun die Nievergeltenegg von meinem Vater umgetauft, ohne Beiziehung einer Geistlichkeit und das Taufwasser ward wohl etwas mit Alkohol vermengt.
Gar bald gen?gten die 2 Tische nicht mehr und im folgenden Frühjahr wurde westlich davon eine Rundholzhütte mit Bretterdach erstellt, darein 5 Tische auf Pfählen und die nötigen Bänke dazu. Aber auch Diese stand, glaube ich nur ein Jahr. Es entstand eine bedeutend Grössere, mit Ziegeln gedeckte, sauber eingewandet und ein gemauerter Keller dazu.
Durch diese Hütte brausste anno 1887, wenn ich nicht irre, der wilde Strom der kantonal zürcherischen Turnfahrt.
Fast wäre sie weggefegt worden von den dazumal noch ziemlich ungebärdigen Horden der Turnergilde.
An dieser Hütte bewahrheitete sich aber auch der Spruch:
Narrenhände beschmieren Wände
Und als ein Beispiel hievon sei der folgende Erguss angeführt:
Wirte sind auch Sünder, trinken viel und spielen immer.
Halten immer sau-re Weine, kleine Braten, grosse Beine.
Wenig sieht man sie im Tempel,
Nehm't an ihnen kein Exempel!
Wenn Ihr Euch ändern woll't auf Erden,
Könnt wahrlich Ihr nur besser werden!?
Als wir dann fanden, es seien jetzt der Spräche genug an dieser Hütte Wände, wurde sie niedergerissen und an deren Stelle ein, nach eigenem Plan, bewohnbares Haus gebaut.
Da damals der Beton noch nicht in dem Masse dominierte, wie heute, mussten f?r die Mauern des Erdgeschosses die Ackersteine aus weiter Runde zusammengetragen werden. Die obern Stockwerke waren reines Holzfachwerk.
Dass auf diese Weise ein Haus nicht in dem Eiltempo aus dem Boden wuchs, wie es heutzutage geschieht, wird sehr begreiflich sein, Dafür aber kannte man dazumal auch noch keine Arbeitslosigkeit.
Man nahm es eben mit der Arbeit noch etwas gemütlicher; man kannte das Hasten und Jagen noch nicht wie heute, dafür waren aber auch die Verhältnisse im Grossen und Ganzen noch gemütlicher als die Heutigen.
So viel Schönes und Nützliches die Technik unbestreitbar geschaffen hat, so ist durch deren allzustarke Forcierung eben doch auch die Schattenseite in sehr starkem Masse in Erscheinung getreten. Der Alten Erfahrung bestätigt sich halt doch immer und immer wieder.
Jetzt wäre ich aber bald ins politische hineingekommen und das ist ja nicht der Zweck dieses meines Aufsatzes.
Also kehren wir darum zu der allmäligen Entwicklung der Felsenegg zur?ck. Wir werden dabei bald erkennen, dass der Erbauer des neuen Wirtshauses eben doch kein Architekt von Fach war.
Es kam zu verschiedenen Änderungen im Inneren des Hauses. Zuerst ward das Erdgeschoss nur ein Raum. Zur Wohnung im ersten Stock führe auf der Westseite eine hölzerne Treppe.
Um das ganze Haus zog sich eine hölzerne Veranda.
Leider zeigte sich nach wenigen Jahren, dass dieses Holzwerk den Unbilden der Witterung, hier oben auf des Albiskammes Höhe, nicht gewachsen war. Die Styge und die Veranda auf der Westseite mussten der Baufälligkeit wegen abgebrochen werden und es entstand ein hölzernes Treppenhaus auf der Südseite. Die Küche und die Wohnstube wurden vom ersten Stockwerk ins Parterre verlegt.
Ein grosser Kachelofen, in werlchem nicht bloss Wähe, sonder auch 12 Vier- oder Fünfpfünder gebacken werden konnte, sorgte nun für behagliche Wärme während des Winters strenger Herrschaft.
Aber nicht nur die Stätten, welche zum Empfange und Restaurierung der Gäste bestimmt sind, mussten erstellt und verbessert werden; auch die Zugänge erheischten grosses Opfer an Zeit, Mühe und Geld.
Als erstes unvermeidliches Bedürfnis meldete sich die Erstellung eines gangbaren Weges als einer besseren Verbindung mit Adliswil und damit des ganzen Sihltales und der Züri'see-Gegend.
Zu diesem Zwecke musste von verschiedenen Grundbesitzern in Adliswil ein Wegrecht erworben werden. Von den Wenigeren aber konnte dieses unentgeldlich geschehen. Einem hauptsächlich und zwar einem der bestsituiertesten musste ein ganz ansehnlicher Betrag hierfür bezahlt werden.
Und dazu kamen noch in jedem Falle die notarielle Ferigung, deren Kosten alle meinem Vater berbunden wurden.
Jetzt konnte also an die Erstellung dieses Weges nach Adliswil geschritten werden.
Mit welchen Opfern an Zeit und Geld hiefür erforderlich waren, bei dem Terrain über das der Weg geführt werden musste, das will ich nun lieber dahingestellt sein lassen. Und was der spätere Unterhalt, zufolge Verwitterung und mehr noch böswilliger, lämmelhafter Schädigungen wegen an Mühe und Ärger brachten, das wünschten wir manchmal, dass es gemahlt am Himmel stehen möchte.
Da Felsenegg so ziemlich in der Mitte zwischen Üetliberg und Albishochwacht liegt, wurde dieser Felsenegg-Weg zur eigentlichen Karawanenstrasse zwischen dem Säuliamt und der unteren Zürichsee-Gegend.
Aber trotz mehrfacher Verwendung hierfür, war Niemand willens, auch nur den geringsten Beitrag an die Kosten des Unterhaltes dieses Weges zu leisten.
Zu Ehren des längst verstorbenen, hochverdienten Herren Robert Schwarzenbach -Zeunder in Thalwil sei es andurch erwähnt, dass er meinem Vater einen freiwilligen Beitrag von Fr. 100.- zukommen liess. Den Überbringer würgte aber diese Gabe so sehr, dass wir es bei jeder passenden Gelegnheit zu f?hlen bekamen. (Hr. Dir. H. Frick)
Aber auch die durchgehende Wegfhrung über den Berggrat hatte mit Schwierigkeiten zu kämpfen.
Da hatte man es mit Waldeigentümern zu tun, die nicht begreifen wollten, dass ein gut angelegter und gepflegter Weg, nur in ihrem ureigensten Interesse liege.
Hier aber war es in der Hauptsache der Verschönerungs -Verein von Zürich und Umgebung, welcher den Gratweg über die Albiskette erstellte und für dessen Unterhalt besorgt war.
Hier war also das Materielle für uns wohlerträglich, dafür spielte das physisch Moralische, in Gestalt des Neides eine umso grössere Rolle.
Der geneigte Leser wird also erkennen, dass der Strauch von dem wir hieroben die spärlichen Rosen pflückten auch reichlich mit Dornen versehen war.
Eigentlich sind ja aus dem bisher Gesagten noch gar keine Rosen entsprossen.
Und ich kenne jemand, die würde kaum aus den Blumen, die sie dort oben gepflückt, je eine Rose in ihrer schönsten Entfaltung erkennen oder es wäre denn im Spiegel.
Nun so will ich denn in meinem kleinen geistigen Vorratskämmerlein unter dem verschiedenen alten Grümpel ein wenig nodern und sehen, ob nicht vielleicht doch noch einige vergilbte Blätter angenehmer Erinnerungen herauszufinden seien.
Zur Vollständigkeit des Betriebs-Mobiliars einer Bergwirtschaft glaubte mein Vater dürfe unbedingt ein Fremdenbuch nicht fehlen.
Und wirklich, wir hatten es nie zu bereuen. Es sorgte für viel Kurzweil und Abwechslung. Und es reut mich erst heute recht, dass ich es nicht mit mir genommen. Aber so ist's, ein Liebes vermisst man erst, wenn man's nicht mehr hat.
Mancher liebe Stammgast und Gönner, mancher gute Vers und Helgen war in diesem Buch enthalten. Nicht mehr alle kommen mir jetzt in den Sinn; aber einige waren es, die ich erwähnen muss.
Es war einer der Ersten, er war schon in den Siebzigern, der Herr Kunstmaler Bühlmann in Zürich, der viele Jahre in Italien war und überhaupt viel Schönes in der weiten Welt gesehen hat; aber von Felsenegg's Panorama ward er dann doch überrascht.
Er sagte es immer, Felsenegg sei halt doch der schönste Punkt der Albiskette, ja des ganzen Kantons Zürich, Züri präsentierte sich von da, wie genau vom Meere aus. Und dann habe man den ganzen Züri'see und das Sihltal nirgends so schön ausgebreitet vor sich, umkränzt von der Alpen gleissender Pracht.
Der bekannte Journalist und Dichter, Ulrich Farner schrieb ins Fremdenbuch:
Felsenegg! Was soll ich loben?
Lebe deine stolzen Höh'n.
Herrlich ist es ja hieroben
Und die Welt so weit, so schön.
Aber auch dem Wirt ein Kränzchen
Soll ihm flott gewunden sein,
Was er gibt ist gut und edel,
War er schänkt ist klar und rein.
Auch C. F. Meyer in Kilchberg weilte noch oft mit seiner, sehr um ihn besorgten, Gemahlin auf Felsenegghauses Veranda.
Einer diplomatischen Intervention seitens meines Vaters bedurfte es einmal bei der Geschäftsleitung einer Seidenfirma in Hedingen, als ihr damaliger Anrüster, Heiri Suter ins Buch schrieb:
Heinrich Suter, Affoltern a/A, am Taglohn die Welt betrachtet?.
Beim Haar hätte ihn dieser Spass um seine Stelle gebracht.
So nun möchte ich aber doch die lieben Leser nicht länger langweilen mit dem Inhalt des Fremdenbuches.
Es wurde uns verschiedentlich gesagt: Ihr seht, Ihr wisst ja gar nicht, wie schön es ist da oben! Nun, das konnte ja in gewissem Sinne stimmen, aber andernteils sagten wir uns auch oft: Wenns am schönste ist da obe, dann ist niemer da! Wo sich mit eus chönnt freue, aber die nicht mit Worten zu beschreibende Pracht eines Sonnenaufganges im Januar, wenn die Firnen unserer Berge goldig erstrahlen mit lieblich, silberbekränzten Wolken darüber.
Dieses Phänomen lässt sich nicht beschreiben, das muss man gesehen haben.
Obwohl wir ja sonst von der Stube aus die Berge und das Land betrachten konnten; aber wenn wir beim Morgenkaffee sassen und die ersten Strahlen, des sich hiedurch ankündigendem Tagesgestirn, den Säntis goldig gesäumten, dann stand die ganze Familie vom Tische auf und begab sich ins Freie um das wunderbare Schauspiel eines Sonnenaufganges im Januar in seiner vollen Pracht geniessen zu können.
Wie ich bereits schon weiter oben angeführt, muss ich aber hier wiederholen, nämlich, dass so viel Licht eben auch viel Schatten ist. Und diese Schatten haben dann eben mich dazu bewogen, cirka ein Jahr nach dem Tod meines Vaters im Jahr 1903, diesen schönen Fleck Erde einem berufeneren Verwalter zu überlassen.
Ich hoffe nun mit diesen Zeilen einem verehrten Leserkreis die Geburts- und Jugendzeit der F e l s e n e g g , wie es schon verschiedentlich von mir gewünscht wurde, auf die mir gegebene Weise veranschaulicht zu haben.
Hans Huber












